Wissen

Selbstorganisation ist ein (wichtiger) alter Hut

Menschliche Systeme wie z.B. Softwareentwicklungsteams organisieren sich selbst ohne jegliches zutun – schon immer. Dieses Selbstorganisation genannte Phänomen ist das natürliche Verhalten aller komplexer Systeme. Die spannende Frage ist dabei jedoch, ob das zu Tage tretende Verhalten gewünscht oder unerwünscht ist.

Viele Jahre lang haben Führungsrkräfte versucht, das Verhalten durch möglichst detaillierte Vorgaben, Anweisungen und Regeln zu beeinflussen – ein Vorgehen, dass den Anleihen des Taylorismus geschuldet zu sein scheint. Das funktionierte mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Ein Trick in der Interaktion mit komplexen Systemen ist: Entscheidungen und Verantwortung werden dorthin gegeben, wo die Informationen präziser und kleiner sind. In der Regel ist das eine Delegation weiter “nach unten”. So werden die Entscheidungen besser und auch eher mitgetragen. Rahmenbedingungen helfen dabei, wichtige Entscheidungsaspekte zu berücksichtigen.

Komplexe Systeme haben emergente Eigenschaften: Das Verhalten des Systems kann nicht alleine durch das Verhalten der einzelnen Teile des Systems bestimmt werden. Ein Team ist mehr als die Summe seiner Mitglieder.

Als Konsequenz daraus verwendet man in agilen Vorgehensweisen die Intelligenz der Gruppe an allen wichtigen Stellen: Planung, Schätzungen, Reviews, Retrospektiven. Keine dieser Tätigkeiten kann von einer Person alleine in hoher Qualität geleistet werden, denn dafür sind zu wenige Informationen in der gedanklichen Abbildung jedes Einzelnen. Wer einmal bei einer Planning Poker Sitzung dabei war, kann dies dort leicht erkennen: Abweichende Schätzwerte sind immer in einem unterschiedlichen Wissenstand begründet. Hier wird aus den Einzelinformationen ein Gruppenmodell, dass die Komplexität einer Anforderung besser wiederspiegelt.

Aus dem selben Grund delegiert man – wie oben geschrieben – also auch möglichst viel Kontrolle an die Teams selbst: Sie haben das vollständigste Model zur Verfügung, um ihr eigenes System zu steuern. So steigt die Stabilität des Gesamtsystems Abteilung und Organisation.

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Methoden

Management 3.0 – Die Welt ist komplexer als wir glauben wollen

Update: Nächster Management 3.0 – Kurs am 27. / 28.04.2012 in Mannheim mit Durchführungsgarantie – jetzt noch anmelden

Wir Ingenieure finden die Betrachtung, dass die Welt kausal funktioniert, irgendwie einleuchtend. Ich werfe Geld in den Fahrkartenautomaten und er druckt ein Ticket aus. Tut er das nicht, ist der Drucker vielleicht defekt oder das System muss neu gestartet werden. Aber nicht nur Ingenieure, die meisten Menschen sind der Meinung, dass es in der Regel einen Grund für ein Verhalten oder eine Situation gibt. Manchmal findet man ihn vielleicht einfach nicht so leicht. Oder?

Dieses Kausalität genannte Phänomen hat unsere Managementkultur stark geprägt. Führungskräfte versuchen in chaotischen Zuständen oder bei drohenden Fehlschlägen regelmäßig, die Kontrolle über die Situation zurückzugewinnen und die vermeintlich verantwortlichen Faktoren in die gewünschte Richtung zu beeinflußen. Im schlimmsten Fall gibt es die Suche nach einen Schuldigen.

Kausalität leistet der Wissenschaft einen unschätzbaren Dienst: Siedepunktberechnungen und Konstruktionspläne, vorhersagbare Flugbahnen von Raketen werden möglich. Und doch gibt es genügend Fragen, die wir nicht beantworten können: Wird unser Softwareprojekt wie geplant mit den definierten Funktionen fertig werden? Wie wird das Wetter in drei Wochen sein? Komme ich pünktlich zu meinem Termin am Freitag Abend durch die Münchener Innenstadt?

Wieso können wir diese Fragen nicht exakt beantworten? Was ist anders an ihnen?

Die Antwort ist die Komplexität. Damit ist nicht gemeint, wie man schnell denken könnte, dass es unüberschaubar viele Faktoren in einer Fragestellung gibt, sondern das unvorhersagbares Verhalten eines Systems. Dies zeigt uns zum Beispiel das Eulersche Dreikörperproblem von nur drei simplen Wassermolekülen: Die Zutaten sind simpel, das Systemverhalten komplex.

Solche Gegebenheiten blieben auch unseren Forschern nicht verborgen: Mittlerweile gibt es eine ganze Wissenschaft, die sich mit solchen Zusammenhängen beschäftigt, genannt die Disziplin der Komplexitätstheorie.

Wenn wir aufhören, kausales und lineares Denken auf komplexe Systeme wie Softwareprojekte und Teams anzuwenden und stattdessen auf die Komplexitätstheorie setzen, bedienen wir uns eines Modells, dass deutlich nützlicher ist und uns Antworten auf Fragen ermöglicht, die wir sonst nicht erhalten. Die Anwendung dieses Ansatzes auf die Führung von Scrum- und Kanban-Teams heißt “Agiles Management”.

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Community

Happy Birthday Scrum Usergroup Rhein-Neckar – ein Jahr agile Metropolregion!

Seit nun einem Jahr sind wir in der Rhein-Neckar Region aktiv. Das monatliche offene Treffen bringt und brachte Fans und Anwender agiler Methoden zusammen. Neben dem Austausch zu vielen Scrum-relevanten Themen, haben wir auch über den Tellerrand hinaus gelernt:

Über Moderationstechniken, Change Management auf spielerische Weise und durch Berichte von agilen Konferenzen. Besonders Christophs Einsatz ist es zu verdanken, dass die Gruppe sich immer wieder zusammengefunden hat und auch weiter bestehen wird.

Weitere Infos zu den weiteren kommenden kostenfreien Treffen der Scrum Usergroup Rhein-Neckar finden Sie hier. Kommen Sie vorbei, wir freuen uns!

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Community

Play4Agile 2012 – Ernsthaftes Spielen lernen

Vorletztes Wochenende war ich bei der  Play4Agile Unkonferenz in Rückersbach bei Frankfurt. Über 70 Teilnehmer aus der ganzen Welt hatten sich dort versammelt, um an neuen und alten professionellen Trainingssimulationen und empirischen Erlebnissen (kurz: Spielen) für Erwachsene zu arbeiten. Der Untertitel der Konferenz steckte in diesem Jahr mit “High Playformance For Agile Teams” die Erwartungen hoch.

Doch warum gibt es solch eine Veranstaltung überhaupt? Braucht die Unternehmenswelt hier einen Fortschritt? Spiele und professionelle Berufswelt, ist das überhaupt vereinbar?

Der Beruf des Agile Coaches beinhaltet die Vermittlung von Wissen und entscheidenden Erkenntnissen. Wer einen Coach in sein Unternehmen bestellt, möchte eine Veränderung in Richtung “agile Arbeitsweise”. Richtig eingesetzt, helfen Spiele dabei, Gegebenheiten erlebbar zu machen, so dass sie im Gedächtnis bleiben. Wer Freude beim Lernen hat, lernt leichter.

Wer sich im Trainingsmarkt umsieht, weiß, dass solche Lernformen längst ein Standard in offenen und geschlossenen Seminaren sind. Der Transfer dieser Methodik in den Coaching-Kontext ist also eine konsequente Fortsetzung einer erfolgreichen Lehrstrategie.

Viele tolle Sessions waren bei diesem Open Space dabei: Über Service Design Thinking, AgileFairytales und Teamentwicklungsspielen stand für mich vorwiegend das Thema, wie Teamleiter und Linienmanager neue Prinzipien und Arbeitsweisen begreifen dürfen.

Ein Vortrag der den Prozess der Spielerstellung erklärte, war dafür eine tolle Grundlage und schnell fanden sich mehrere Gruppen, die an neuen Spielideen arbeiteten und diese mit Teilnehmern testen konnten. Das abendliche Networking über die drei Tage war sicherlich ein Highlight für viele und die Organisatoren haben einen großen Dank verdient.

Auf den Punkt gebracht: Schön, in solch einer vielseitigen und inspirierenden Community tätig zu sein.

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Kontiniuerliche Wertschöpfung

Ein Grundgedanke in agilen Prozessen wie Scrum ist es, in Intervallen potentiell auslieferbare Produkt- oder Projektstände zu erzeugen. Jetzt kann man sich fragen, warum dies ein Vorteil zu anderen Produktionsphilosophien ist?

An jedem Intervallende habe ich die Möglichkeit, mein Produkt meinem Kunden oder Anwender zur Verfügung zu stellen. Damit ist die Zeitspanne, bis ich mit neuen Funktionen am Markt oder beim Kunden bin sehr kurz. Diese Taktung können oft nur wenige Mitbewerber erreichen. Sobald die Anwendung so ausgeliefert ein Mindestmaß an Nutzwert für die Zielgruppe darstellt, kann abgerechnet oder anderweitig monetarisiert werden.

Was bei Großprojekten oft Monate und Jahre dauert, beginnt hier von Anfang an. Darüber hinaus habe ich frühes Feedback meiner Anwender, welches maßgeblich in meine Produktgestaltung einfließen kann und so eine gute langfristig erfolgreiche Positionierung am Markt sichern kann.

Spinnt man den Gedanken der häufigen Auslierferung weiter, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass solche Lieferintervalle bestimmte technische Voraussetzungen haben: Kontinuierliche Integration, automatische Tests und schnell durchführbare Deploymentprozesse. Hat man diesen Reifegrad erreicht, entsteht quasi mit jedem Feature, dass ein Team in einer Iteration abschließt, Wertschöpfung für das Unternehmen. Welche Projekte können das schon behaupten?

In der Realität ist dies für viele Unternehmen ein Weg, der Mut, Ausdauer und Kraft kostet. Und vielleicht liegt gerade hier das Potential, sich vom Mitbewerber abzuheben oder auch als interner Dienstleister überzeugen zu können. Noch sind es wenige Firmen, die so weit gegangen sind und ich bin mir sicher: es werden jedes Jahr mehr werden.

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